Exkursion Dosenmoor am 20. Mai 2008

Ein ausführlicher Exkursionsbericht mit Tipps zum Nachmachen!

Dieser Exkursionsbericht entstand im Rahmen der Lanker-See Fahrradtou des DJN. Ich habe mir die Mühe gemacht, den Text sehr ausführlich zu schreiben und meine über die Exkursion hinausgehenden Erfahrung im Naturschutzgebiet mit einfließen zu lassen. Der Text skizziert die schönsten (subjektiv!) Arten des Frühjahres im Moor. Meiner Erfahrung nach ist die Zeit zwischen Ende März und Anfang Mai, die beste Zeit für Exkursionen im Gebiet, was aber nicht heißen soll, dass die anderen Jahreszeiten nicht Lohnenswert sind.

Ich würde mich freuen, wenn dieser Text anderen Leuten bei der Exkursionsvorbereitung helfen könnte und freue mich selbstverständlich über jede Anregung zum Text.

Christian Koppitz
Langwisch 9
24536 Neumünster
C.Koppitz@gmx.net

Das Dosenmoor ist der größte erhaltenen Hochmoorrest Schleswig Holsteins und bietet mit seinen 521 ha einen eindrucksvollen Eindruck einer selten gewordenen Landschaft.

Neben verschiedenen Moorheidestadien und Hochmoorgesellschaften beherbergt das Moor im Randgebiet ausgedehnte Bruchwälder, die durch die jahrelange Brachnutzung einen fast urwaldartigen Charakter aufweisen.

Daneben besitzt dass Moor in seinen Randbereichen ausgedehnte Niedermoorwiesen, die seit kürzerer Zeit teilweise durch eine Herde Hochlandrinder beweidet wird und unterschiedlichsten Pflanzen- und Tiergesellschaften eine Heimat bieten.

Unsere Exkursion beginnt am Westlichen Rand (am Parkplatz) des Gebietes, hier hat man einen guten Überblick über die beweideten Randwiesen des Moores.

Wunderschöne Charakterart der Flächen ist der Neuntöter, der hier mit mehreren Brutpaaren vorkommt, und somit in den Sommermonaten eine garantiert zu beobachtenden Art ist.

Im Winter, wenn der Neuntöter im afrikanischen Winterquartier verweilt, sind diese Reviere meist durch Raubwürger besetzt.

Die Vögel präsentieren sich uns, wie für diese Art üblich, exponiert auf alleine stehenden Sträuchern. Neben dem bunten Männchen erscheint nach einiger Zeit auch das sehr viel schlichter gefärbte Weibchen , beide sind so zutraulich, dass sie auch ohne Spektiv gut zu beobachten sind.

Auf dem Hauptweg (Hauptdamm) angkommen, fallen sofort die Wollgräser ins Auge,

die um diese Zeit mit ihren flauschigen Fruchtständen ein zauberhaftes Bild abgeben.

Nächste Station ist für uns der Bohlenweg, der nördlich des Hauptweges über div. Handtorfstiche führt.

Der Weg ermöglicht Besuchern die Pflanzenarten des Hochmoores aus nächster Nähe zu betrachten. Wenn man die Strecke vom Hauptdamm aus beginnt, fällt zuerst das bläulichgrüne Laub des Sumpfblutauges (Potentlila palustris) in den wassergefüllten Schlenken des Handtorfstiches rechts des Bohlenweges auf. Diese, in Schleswig Holstein als gefährdet geltende Pflanze, gehört, als Bewohnerin saurer Schlammböden zu den Klassikern Norddeutscher Moor- und Heidelandschaften.

Historisch als Gerber- und Färberpflanze verwendet, ist das Sumpfblutauge darüber hinaus eine typische „Neumünsteranerin“.

Typisch für Hochmoore, sind die Fleischfressenden Pflanzen. Vom Bohlenweg aus lassen sich 2 verschiedenen Arten beobachten. Der Rundblättrige Sonnentau wächst flächendeckend in den Torfmoospolstern des Handtorfstiches. Man erkennt ihn aus der Ferne an den roten Stängeln und den Blatträndern der Pflanze. Genau hingesehen erkennt man an den Blättern die Fangtentakeln mit dem die Pflanze kleine Fluginsekten fängt um sie anschließend zu verdauen.

Schwieriger zu finden ist der Kleine Wasserschlauch (Utricularia minor), die Pflanze schwimmt ohne mit einer Wurzel im Boden verankert zu sein in den offenen Wasserflächen des Torfstiches. Der Wasserschlauch fängt mit seinen kleinen Fangblässchen Zooplankton (Wasserflöhe etc.) aus dem Moorwasser und versorgt sich somit, mit dem im Moorwasser kaum vorhandenen Stickstoff. Am Besten findet man Wasserschlauch während der Blütezeit im Juni, dann streckt die Pflanze einen mehreren Millimeter großen Blütestand aus dem Wasser an dem kleine orchideenartig anmutende, schwefelgelbe Blüten zu sehen sind. Dies macht Pflanze, da sie trotz ihrer aquatischen Lebensweise auf die Fremdbestäubung von Landinsekten angewiesen ist.

Weitere Interessante Pflanzenarten sind neben den verschiedenen Wollgräsern, auch die zahlreichen Zwergsträucher die Rechts und Links des Weges wachsen. Auf den trockenen Torfflächen links des Weges finden sich Beispielsweise ein paar Exemplare der Krähenbeere und Besenheide, beides sind typische Pflanzen trockener Moorstandorte und Heideflächen. Erstere Hat ihren Namen von den tiefschwarzen Beeren, die gerne von verschiedenen Vögeln gefressen werden.

Auf Sylt, wo die Art in großer Zahl die Dünentäler besiedelt, können die Insulaner aufgrund des intensiven Farbstoffes in den Beeren zur Fruchtzeit keine weiße Wäsche aufhängen, da die Farbe den Verdauungstrakt der Vögel unbeschadet übersteht und der Vogelkot somit zur gefährlichen Farbbombe, für die geliebten Kleidungstücke wird.

Auf den Torfmoospolstern findet obendrein ein großer Bestand der Glockenheide (Erica tetralix) und vereinzeln auch die seltene Rosmarinheide (Andromeda polifolia).

Anders als ihr Name vermuten lässt, handelt es sich bei der Rosmarinheide um eine starke Giftpflanze, die ihren Namen lediglich von der Ähnlichkeit des Laubes mit dem beliebten Küchengewürz gemein hat.

Klein und unscheinbar, aber umso eindrucksvoller ist die kleinste Strauchart Europas, die Moosbeere (Vaccinium oxycoccos), die auf den Torfmoospolstern reichlich vorhanden ist. In langen, gerade man

5 mm hohen verholzten Ranken schiebt sich der Zwerg über das Moos. Im Mai blüht das Pflänzchen mit kleinen rosa Blüten, später im Jahr erscheinen dann, die im Vergleich zur Pflanze wahrlich riesigen Beeren der Pflanze, gut 2 cm fassen die Durchmesser der Fruchtkörper des Pflänzchens und überragen damit ihre Mutter um das vierfache.

Die Art ist eng mit der amerikanischen „Cranberry“ verwand, die in den letzten Jahren als Müslizusatz in Europa bekannt geworden ist. Sie ist ebenfalls essbar, sollte aber aufgrund ihrer Seltenheit eher geschont werden.

Der Bohlenweg eignet sich zudem als ausgezeichneter Ort für die Beobachtung von Reptilien und Amphibien. Gerade an eher kühlen Tagen nutzen viele Waldeidechsen , Blindschleichen und mit Glück auch Kreuzottern die warmen Holzplanken als Wärmebänke. Da die Tiere auf Erschütterung mit Flucht reagieren, sollte man sich möglichst geräuschlos auf den Bohlen bewegen. Auch hat sich bewährt mit einem Fernglas den Bohlenweg in weiter ferne Abzusuchen, sind Tiere vorhanden, lohnt es sich anzuschleichen um einen näheren Blick auf die Kriechtiere werfen zu können.

Im zeitigen Frühjahr kann man in den Wasserlachen der Torfstiche die lebhaft Blau gezeichneten Moorfrösche beobachten, die sich hier zu Frühjahrsbalz treffen.

Neben Reptilien nutzten auch die Gerandeten Jagdspinne die Bohlenwege für das Tanken von Wärme. Diese Spinnenart gehört zu den größten Spinnen Mitteleuropas und gehört als Wolfsspinne zur unmittelbaren Verwandtschaft der Taranteln des Mittelmeerraums.

Anders als ihre südliche Verwandtschaft sind Gerandetet Jagdspinnen für den Menschen vollkommen harmlos und gehören obendrein durch ihre lebhafte Zeichnung zu den schönsten Spinnenarten unserer Gefilde. Wer die Spinnen beobachten möchte, sollte auf ähnliche Weise wie bei den Reptilien leise und vorrauschauend über die Planken laufen, um die Tier nicht zu verjagen.

Neben den vielen Pflanzenarten gelingt uns an dem Tag leider relativ wenig, so zeigen sich weder Eidechsen, noch finden wir die sonst um diese Jahreszeit so häufigen Jagdspinnen auf den Bohlen. Die sonst so seltenen Moosjungfern (Nordische Moosjungfer (Leucorrhinia rubicunda) und Kleine Moosjungfer (Leucorrhinia dubia)), die sich Massenhaft auf dem Holz des Weges tummeln sind , eindrucksvoll genug.

Eine Entschädigung erhalten wir bei unser Rückkehr auf dem Hauptweg des Moores. In ca. 300 Meter Entfernung, sitzt auf einer einzelnen Birke ein Männchen des Sibirischen Schwarzkelchens oder Pallas Schwarzkehlchens (Saxicola maurus), einer in Mitteleuropa selten zu beobachtenden Schwesternart des Schwarzkehlchens (Saxicola torquata).

Scheinbar scheint die Unterscheidung der beiden Arten selbst den Vögeln schwer zu fallen, da unser Männchen die ganze Zeit, beharrlich mit einem Weibchen der mitteleuropäischen Verwandtschaft flirtet.

Umrahmt wird dieses schöne Bild von den Rufen zahlreicher Kraniche (Grus grus), die sich aber leider nicht zeigen wollen.

Ein großer Vogel, der am Horizont der Hochmoorfläche auftaucht, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung durchs Fernglas als Weißstorch (Ciconia ciconia) .

Weiter auf dem Hauptweg Richtung Osten, tauchen mit einem mal 4 Baumfalken (Falco subbuteo) auf. Die Tiere, die sich um diese Zeit auf der Moorfläche auf die Libellen spezialisieren, zeigen uns eine eindrucksvolle Flugjagd auf die Insekten. Mit großer Geschicklichkeit jagen die Vögel die gewandten Insekten in der Luft und verspeisen sie ohne sich dabei niederzusetzen. Vertieft in ihr Geschäft kommen die Falken teilweise sehr nah an ihre Beobachter heran und bieten somit dann eindrucksvollsten Anblick im Jahresverlauf des Dosenmoores. Die Zeit der Baumfalken im Moor ist gekoppelt an den Flug der Moosjungfern, ist dieser Ende Mai beendet bekommt man die Falken nur noch sehr selten zu Gesicht.

Neben den Baumfalken sind in den letzten Jahren auch immer einzelne Exemplare der hochbedrohten Rotfußfalken (Falco vespertinus) im Moor aufgetaucht, eine Art die man also bei seinen eigenen Moorexkursionen immer im Hinterkopf haben sollte.

Auf der Hochmoorfläche sind außerdem viele Kleinvögel zu beobachten, neben den schon erwähnten Schwarzkehlchen ist auch das Braunkehlchen ein häufiger Brutvogel des Moores. Wer die beiden Arten beobachten will, sollte auf den baumfreien Hochmoorflächen auf einzelne Kleinvögel in den einzelnen Moorbirkensträuchern (Betula pubescens) oder anderen Erhebungen (Holzpfähle etc.)achten. Eine weitere Art, die hier häufig Beobachtet werden kann ist der eher schlicht gefärbte Wiesenpieper. Im Frühjahr markieren die Männchen ihr Revier durch auffällige Singflüge. Sie steigen laut piepend in einem rasanten Rüttelflug in die Höhe und lassen sich dann in Höhen von 30 –100 m in einem Segelflug zurück auf den Boden gleiten.

Im baumreicheren Südteil des Moores kann man überdies den Baumpieper beobachten, der seinen Singflug im unterschied vom Wiesenpieper meist von Singwarten wie Bäumen oder Stümpfen aus startet.

Unsere nächste Station sind die ausgedehnten Niedermoorwiesen am Ende des Hauptdammes, die auffälligste Bewohnerin der Flächen ist schon seit einiger Zeit immer wieder zu hören. Vom Himmel ertönt ein monotones Stakkato, immer wieder unterbrochen durch ein lautes Meckern. Den Blick zum Himmel gerichtet fällt uns ein etwa amselgroßer Vogel auf, der mit hektischen Flügelschlägen und rasanten Zickzackflug über unseren Köpfen fliegt. Das es keine Amsel ist, erkennen wir schnell an dem fast körperlangem Schnabel des Tieres.

Die Art, die hier unsre Aufmerksamkeit erregt, ist zweifellos eine Bekassine (Gallinago gallinago L.) . Der kleine Schnepfenvogel nistet vor allem in den Randbereichen des Naturschutzgebietes, mit dem langem Schnabel stochern die Tiere Würmer und Insektenlarve aus den Torf- und Schlammflächen des Moores. Das auffällige Meckern, das die Tiere bei der Flugbalz äußern, wird erzeugt, durch die hinteren Steuerfedern. Abgespreizt , wehen diese im Wind und führen zu dem Laut, der der Bekassine den Namen Himmelsziege eingebracht hat.

Bekassinen sitzen, wenn sie nicht gerade ihre Reviere durch die beschriebenen Flugshow abgrenzen, meist auf erhöhten Warten ihrer Reviere ( Zaunpfähle), wer die Tiere also entdecken will, sollte mit dem Fernglas in den Randwiesen des Moores jene exponierten Stellen mit dem Fernglas systematisch absuchen.

Am Ende des Hauptdammes biegen wir rechts ab ( Richtung Blocksberg- Großharierweg). Die nächste Station ist der Löschteich, dar nach ca. 500 m rechts vom Feldweg erscheint. Neben einem ausgedehnten Beinwellbestand (Symphitum officinale), der Jahr für Jahr einer stattlichen Anzahl von Frühjahrspelzbienen (Anthophora plumipes) und Hummelkönigen Nahrung bietet ist diese Stelle der Beste Ort im Gebiet um Ringelnattern (Natrix natrix) zu beobachten.

Die Schlangen jagen hier im fortgeschrittenen Frühjahr vor allem die reifen Kaulquappen der Erdkröte (Bufo bufo), die in großen Schwärmen an der Oberfläche des Gewässers schwimmen. Auch hier kommt es auf Geduld und Vorsicht an. Wer die Schlangen beobachten möchte, sollte sich einfach an den Rand des Gewässers stellen und eine Weile still abwarten. Meist erscheinen nach kürzester Zeit Schlangen aus den Weidengebüschen des Teiches, greifen sich ein Kaulquappe aus dem Schwarm und verschlingen die Beute an Ort und Stelle.

An dieser Stelle eine wichtige Randbemerkung, die Bereitstellung von Informationen wie dieser im Internet, funktionieren nur so lange, wie Menschen verantwortungsvoll mit den Informationen umgehen und den Tieren kein Schaden zugefügt wird. Darüber hinaus, stehen Ringelnattern wie alle Reptilien unter Artenschutz, deshalb ist das Fangen oder Töten der Tiere ein Straftat, die mit Geldstrafen geahndet wird.

Wir machen an dieser Stelle kehrt und folgen zurück Weg Richtung Bordesholm (Himmelsrichtung Norden). Die Wiesen rechts und links vom Moor sind Nahrungsrevier der Kraniche, so dass auch hier ein absuchen mit Ferngläsern lohnenswert erscheint.

Gleichzeitig kann man mit etwas Glück auf den Wegen gerade in der Nähe des Waldes auf Blindschleichen (Anguis fragilis) stoßen, die hier leider viel zu oft unachtsamen Fahrradfahrern zum Opfer fallen. Die trägen Tiere sind nicht in der Lage schnell genug vor einem sich nähren Fahrrad in Deckung zu schlüpfen und werden somit oftmals überfahren.

Wenn man eine Blindschleiche entdeckt, sollte man also nicht scheuen das Tier im vorderen Bereich das Körpers auf die Hand zu nehmen und in das Gras des Wegrandes zu setzten, die vollkommen harmlosen und liebenwerten Tiere können sich dann schnell in Sicherheit begeben und entgehen somit einem grausamen Tod.

Dem Rundweg folgend, kommt man bald an Einzweiger in das Moor.

Am Wegrand findet man hier nach ca. 200 Metern ein paar Pflanzen des Englischen Ginsters (Genista anglica), einer typischen Pflanze trockener Heidestandorte. Die Pflanzen erreichen gerade mal eine Höhe von 30 cm und sind damit nicht zu vergleichen mit den strauchartigen Gartenformen des Besenginsters. Da Heidelandschaften selten geworden sind, steht diese Pflanze auf der Rotenliste der gefährdeten Arten.

Der Weg, wird hier rechts und linken Seite gesäumt wird von kleinen wassergefüllten Torfstichen, in denen ausgedehnte Bestände der Sumpfcalla (Calla palustris) wachsen. Die Sumpfcalla erinnert stark an das Schaublatt einer beliebten Zimmerpflanze auf der Fensterbank, ähnlich dieser Art bildet auch die Sumpfcalla eine weiße Sparta aus, die Bestäuber auf den Pollenkolben der Pflanze locken soll. Anders als bei den meisten Pflanzen wird die Sumpfcalla nicht von Insekten, sondern von Schnecken bestäubt, was eine Anpassung an den sehr feuchten Standort der Pflanzen darstellt.

Später im Jahr, entwickelt sich aus dem Kolben eine weithin rot leuchtende Traube aus giftigen Beeren. Die Pflanze, die typisch ist für die Ränder von Hochmoorgebieten gehört zu den großen botanischen Besonderheiten des Dosenmoors, da im gesamten Bundesgebiet nur noch weniger Standorte dieser Art dokumentiert werden können.

Dem Weg weiter folgend erreicht man bald eine aus Torf aufgegrabene Aussichtsplattform, uns gelingt von hier oben die Beobachtung eines Kuckuks (Cuculus canorus), eine Art die im Dosenmoor oft und gut zu sehen ist, da zum einen viele Wirte (Braun- und Schwarzkehlchen) vorhanden sind, zum anderen die baumlosen Flächen wenig Deckung für den sonst eher heimlichen Vogel bieten.

Weiterhin sind von der Plattform mit etwas Geschick, die wenigen größeren offenen Wasserflächen des Moores einzusehen. Hier kann man mit etwas Glück, Krickenten (Anas crecca) zu sehen bekommen. Diese kleinste Ente Europas gehört, zu den typischen Brutvögeln des Dosenmoores, die Tiere verteilen sich jedoch überwiegend auf den nicht einsehbaren Wasserflächen im Südteil des Moores.

Eine weitere Art, die hier mit etwas Glück zu beobachten ist, ist der Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis) der auch mit mehreren Brutpaaren im Naturschutzgebiet brütet. Dieser sehr scheu Vogel fällt vor allem durch seine lauten Trillerlaute im Frühjahr auf, ist aber selbst dann meist so gut in Randvegetation versteckt, dass eine Beobachtung schwer fällt.

Neben der eindrucksvollen baumlosen Hochfläche des Moores und den vielen ungewohnten Gesängen und Rufen ihrer Bewohner, bietet uns das Dosenmoor auch dieses mal, eindrucksvolle Beobachtungen, die im Kopf bleiben werden.

Weitere Informationen, Karten und Gebietsrführungen

http://www.iz-dosenmoor.de

Naturerlebnisstage Katinger Watt

2005: Auf Eiderstedt demonstrieren etliche aufgebrachte Bauern, da die schleswig-holsteinische Landesregierung den unglaublichen Schritt gewagt hat, geltendes EU Recht in die Tat umzusetzen.
Die unerträgliche Forderung, die an die Landwirte ergeht ist: „Bewirtschaftet euer Land nachhaltig und sorgt weiterhin für den Erhalt der einmaligen Vogelwelt auf den Grünlandflächen der Halbinsel!“
Die Bauern reagieren so verärgert, dass sie reihenweise wertvolle Grünlandflächen umbrechen und – dem Bioethanolboom sei Dank – gewinnträchtig mit grellen Rapsmonokulturen bestücken. Gleichzeitig skandiert der aufgebrachte Mob mit gehaltvollen Sätzen wie „Wir sind gut zu V/vögeln“, dass ihnen der Artenschutz sogar am Herzen liege und lediglich böse Bürokraten in Brüssel verantwortlich seien, für ihren Racheakt an Trauerseeschwalbe und Co.
Redebereitschaft sei auch vorhanden, solange nach ihren Spielregeln gespielt werde.
Auf jeden Fall müsse die europäische Mehrheitsgesellschaft Respekt wahren vor dem „Blut und Boden“ der friesischen Bauern, die trotz gnadenloser Entwässerung und überwiegend rein kapitalorientierter Landwirtschaft der Halbinsel, immer noch meinen, besser Bescheid zu wissen als die vielen Diversitätsforscher und Artenschutzexperten, die mit dem „Natura 2000 Projekt“ den entscheidenden Durchbruch zum Erhalt der europäischen Biodiversität manifestieren konnten.
Und zu jedem vernünftigem (ur-)deutschen Protest gehören natürlich klare Feindbilder, diesmal erwischte es besonders den Naturschutzbund Deutschland, der auf Eiderstedt seit vielen Jahren die vorhandenen Vogelpopulationen betreut und kartiert. Vergessen ist der seit Jahren aufwendig betriebene Aufbau eines sanften Tourismus‘ durch die Schaffung und Betreuung zahlreicher Schutzgebiete, die sich nicht zuletzt in den vielen Hofläden und „Urlaub auf dem Bauernhof“-Angeboten der Regionen niederschlagen.
Neben etlichen Protestplakaten, auf denen die drohende „Ökodiktatur“ angeklagt wird, beweisen sich die Landmänner mit Eierwürfen auf den amtierenden Landesumweltminister und üblen (Droh-)briefen gegen die regionalen Umweltschützer ihre demokratischen Fähigkeiten.
Die Naturerlebnisstage bekommen kurzfristig eine Absage für die Veranstaltungswiese, auf der die Messe die letzten Jahre problemlos stattfinden konnte.
Die Veranstaltung kann in den folgenden Jahren lediglich in sehr kleinem Rahmen stattfinden. Der DJN verzichtet aufgrund des chronischen Platzmangels auf dem Gelände des Infozentrums Katinger Watt auf eine Teilnahme an der Messe und mit ihm zahlreiche Teilnehmer, die in den Jahren davor zahlreiche Tagestouristen auf die Halbinsel locken konnten.
2008 gelingt es dem DJN nach 4 Jahren wieder, einen Stand auf der Messe zu präsentieren und somit auch dem Respekt und der Solidarität mit den zähen Naturschützern vor Ort ein Gesicht zu geben.

Naturerlebnisstage 2008

Die Messe beginnt für mich mit einem Besuch im Regionalpädagogischen Infozentrum (RUN) in Neumünster. Hier warten die ganz besonderen Hauptdarsteller unseres Messestandes auf mich: zwei ausgewachsene und „Gott sei Dank“ stresserprobte Kornnattern.
Ihre Aufgabe wird es sein, als Repräsentanten ihres viel geschundenen Tiergeschlechtes, hautnah Werbung für einen respektvollen, aber nicht ängstlichen Umgang mit Schlangen zu machen.
Die Tiere entpuppen sich von Anfang an als Vollprofis, denn nicht nur ich, sondern auch meine vier Mitstreiter sind in den Bann gezogen von den beiden wunderschönen Tieren, die sich dazu noch als ausgesprochen neugierig und kontaktfreudig erweisen.
Angekommen an der Eidermündung empfängt uns ein munteres Gewusel. Die Vorbereitungen für die Messe sind in vollem Gange, Tische werden durch die Gegend geräumt, Menschen stolpern von einer Aufgabe in die nächste und registrieren uns Neuankömmlinge allerhöchstens mit einem flüchtigen „Moin, Moin!“.
Nachdem wir uns Gehör verschafft haben, wird uns der Stand zugewiesen. Freudig überrascht über die Tatsache, dass uns ein Großteil der Vorbereitungsarbeit durch das Team des Infozentrums abgenommen wurde, können wir uns in die Unterkunft zurückziehen.
Der nächste Tag zeit sich im besten Messewetter; von der gestrigen Aufregung ist im Infozentrum wenig zu merken. Ausgedehntes Frühstücken steht auf dem Programm. Auf der Messe selbst präsentieren sich neben div. Optikfirmen Menschen wie der Vogelmaler Christopher Schmidt, der durch die Illustrationen verschiedener ornithologischer Kalender und Buchtitel bundesweite Bekanntheit erlangen konnte, der Naturschutzprodukteshersteller „Schwegler“ und der Landesjagdverband. Auch die lieben Kollegen von der NaJu versuchen, durch das Bemalen vorbei kommender Kinder und Junggebliebener, Mitglieder zu werben. Der Tag zieht sich hin und unsere Schlangen kommen ganz auf ihre Kosten. Regelmäßig bilden sich Trauben um die Tiere und die großen Augen von Jung und Alt lassen erahnen, wie weit das Pendel zwischen den Begriffen „Ekel“ und „Faszination“ zu schwingen beginnt und bei den Meisten über dem Begriff „Sympathie“ zum Erliegen kommt. Gleichzeitig werden interessante Fragen gestellt, wie beispielsweise, was denn nun der genaue Unterschied zwischen einem Aal und einer Schlange sei.
Etliche interessante Vorträge und Exkursionen bereichern das Gesamtprogramm der Naturerlebnisstage.
Der DJN stellt im Rahmen der Veranstaltung die Amphibien und Reptilien Schleswig Holsteins vor und bietet somit einen Vorgeschmack auf die Ende 2008 erscheinende, vollkommen überarbeitete Auflage des Reptilien und Amphibienschlüssels.
Ruhigere Momente erlauben meinen Mitstreitern und mir, den Messestand zu verlassen und selbst die Natur des Katinger Watt aus der Nähe zu betrachten. Neben den üblichen Verdächtigen wie Trauerseeschwalbe, Säbelschnäbler, Seeadler und Kampfläufer, gelingen uns auch Beobachtung von Zwergmöwen und einem Odinshünchen, die auf ihrem Zug in die Brutgebiete Zwischenrast an der Eidermündung eingelegt haben.
Ein Wermutstropfen ist, dass die Knabenkräuter in diesem Jahr aufgrund der kalten Witterung der Vortage in ihrer Entwicklung etwas zurück sind und uns somit lediglich ein blühendes Exemplar auf einer Wiese auffällt. Auch die Terekwasserläufer scheinen schon den Heimweg angetreten zu haben.
Der Sonntag verläuft ähnlich abwechslungsreich.
Die vielen Gespräche und verteilten Flyer des Wochenendes werden sich in den folgenden Tagen deutlich auf die Zugriffstatistik des naturbeobachtung.wordpress.com Blogs auswirken, was die Anderen und mich bestärkt, im folgenden Jahr wieder den Weg auf uns zunehmen und an den Naturerelebnisstagen teilzunehmen.

Naturerlebnisstage Katinger Watt

Rückblick

2005: Auf Eiderstedt demonstrieren etliche aufgebrachte Bauern, da die schleswig-holsteinische Landesregierung den unglaublichen Schritt gewagt hat, geltendes EU Recht in die Tat umzusetzen.
Die unerträgliche Forderung, die an die Landwirte ergeht ist: „Bewirtschaftet euer Land nachhaltig und sorgt weiterhin für den Erhalt der einmaligen Vogelwelt auf den Grünlandflächen der Halbinsel!“
Die Bauern reagieren so verärgert, dass sie reihenweise wertvolle Grünlandflächen umbrechen und – dem Bioethanolboom sei Dank – gewinnträchtig mit grellen Rapsmonokulturen bestücken. Gleichzeitig skandiert der aufgebrachte Mob mit gehaltvollen Sätzen wie „Wir sind gut zu V/vögeln“, dass ihnen der Artenschutz sogar am Herzen liege und lediglich böse Bürokraten in Brüssel verantwortlich seien, für ihren Racheakt an Trauerseeschwalbe und Co.
Redebereitschaft sei auch vorhanden, solange nach ihren Spielregeln gespielt werde.
Auf jeden Fall müsse die europäische Mehrheitsgesellschaft Respekt wahren vor dem „Blut und Boden“ der friesischen Bauern, die trotz gnadenloser Entwässerung und überwiegend rein kapitalorientierter Landwirtschaft der Halbinsel, immer noch meinen, besser Bescheid zu wissen als die vielen Diversitätsforscher und Artenschutzexperten, die mit dem „Natura 2000 Projekt“ den entscheidenden Durchbruch zum Erhalt der europäischen Biodiversität manifestieren konnten.
Und zu jedem vernünftigem (ur-)deutschen Protest gehören natürlich klare Feindbilder, diesmal erwischte es besonders den Naturschutzbund Deutschland, der auf Eiderstedt seit vielen Jahren die vorhandenen Vogelpopulationen betreut und kartiert. Vergessen ist der seit Jahren aufwendig betriebene Aufbau eines sanften Tourismus‘ durch die Schaffung und Betreuung zahlreicher Schutzgebiete, die sich nicht zuletzt in den vielen Hofläden und „Urlaub auf dem Bauernhof“-Angeboten der Regionen niederschlagen.
Neben etlichen Protestplakaten, auf denen die drohende „Ökodiktatur“ angeklagt wird, beweisen sich die Landmänner mit Eierwürfen auf den amtierenden Landesumweltminister und üblen (Droh-)briefen gegen die regionalen Umweltschützer ihre demokratischen Fähigkeiten.
Die Naturerlebnisstage bekommen kurzfristig eine Absage für die Veranstaltungswiese, auf der die Messe die letzten Jahre problemlos stattfinden konnte.
Die Veranstaltung kann in den folgenden Jahren lediglich in sehr kleinem Rahmen stattfinden. Der DJN verzichtet aufgrund des chronischen Platzmangels auf dem Gelände des Infozentrums Katinger Watt auf eine Teilnahme an der Messe und mit ihm zahlreiche Teilnehmer, die in den Jahren davor zahlreiche Tagestouristen auf die Halbinsel locken konnten.
2008 gelingt es dem DJN nach 4 Jahren wieder, einen Stand auf der Messe zu präsentieren und somit auch dem Respekt und der Solidarität mit den zähen Naturschützern vor Ort ein Gesicht zu geben.

Naturerlebnisstage 2008

Die Messe beginnt für mich mit einem Besuch im Regionalpädagogischen Infozentrum (RUN) in Neumünster. Hier warten die ganz besonderen Hauptdarsteller unseres Messestandes auf mich: zwei ausgewachsene und „Gott sei Dank“ stresserprobte Kornnattern.
Ihre Aufgabe wird es sein, als Repräsentanten ihres viel geschundenen Tiergeschlechtes, hautnah Werbung für einen respektvollen, aber nicht ängstlichen Umgang mit Schlangen zu machen.
Die Tiere entpuppen sich von Anfang an als Vollprofis, denn nicht nur ich, sondern auch meine vier Mitstreiter sind in den Bann gezogen von den beiden wunderschönen Tieren, die sich dazu noch als ausgesprochen neugierig und kontaktfreudig erweisen.
Angekommen an der Eidermündung empfängt uns ein munteres Gewusel. Die Vorbereitungen für die Messe sind in vollem Gange, Tische werden durch die Gegend geräumt, Menschen stolpern von einer Aufgabe in die nächste und registrieren uns Neuankömmlinge allerhöchstens mit einem flüchtigen „Moin, Moin!“.
Nachdem wir uns Gehör verschafft haben, wird uns der Stand zugewiesen. Freudig überrascht über die Tatsache, dass uns ein Großteil der Vorbereitungsarbeit durch das Team des Infozentrums abgenommen wurde, können wir uns in die Unterkunft zurückziehen.
Der nächste Tag zeit sich im besten Messewetter; von der gestrigen Aufregung ist im Infozentrum wenig zu merken. Ausgedehntes Frühstücken steht auf dem Programm. Auf der Messe selbst präsentieren sich neben div. Optikfirmen Menschen wie der Vogelmaler Christopher Schmidt, der durch die Illustrationen verschiedener ornithologischer Kalender und Buchtitel bundesweite Bekanntheit erlangen konnte, der Naturschutzprodukteshersteller „Schwegler“ und der Landesjagdverband. Auch die lieben Kollegen von der NaJu versuchen, durch das Bemalen vorbei kommender Kinder und Junggebliebener, Mitglieder zu werben. Der Tag zieht sich hin und unsere Schlangen kommen ganz auf ihre Kosten. Regelmäßig bilden sich Trauben um die Tiere und die großen Augen von Jung und Alt lassen erahnen, wie weit das Pendel zwischen den Begriffen „Ekel“ und „Faszination“ zu schwingen beginnt und bei den Meisten über dem Begriff „Sympathie“ zum Erliegen kommt. Gleichzeitig werden interessante Fragen gestellt, wie beispielsweise, was denn nun der genaue Unterschied zwischen einem Aal und einer Schlange sei.
Etliche interessante Vorträge und Exkursionen bereichern das Gesamtprogramm der Naturerlebnisstage.
Der DJN stellt im Rahmen der Veranstaltung die Amphibien und Reptilien Schleswig Holsteins vor und bietet somit einen Vorgeschmack auf die Ende 2008 erscheinende, vollkommen überarbeitete Auflage des Reptilien und Amphibienschlüssels.
Ruhigere Momente erlauben meinen Mitstreitern und mir, den Messestand zu verlassen und selbst die Natur des Katinger Watt aus der Nähe zu betrachten. Neben den üblichen Verdächtigen wie Trauerseeschwalbe, Säbelschnäbler, Seeadler und Kampfläufer, gelingen uns auch Beobachtung von Zwergmöwen und einem Odinshünchen, die auf ihrem Zug in die Brutgebiete Zwischenrast an der Eidermündung eingelegt haben.
Ein Wermutstropfen ist, dass die Knabenkräuter in diesem Jahr aufgrund der kalten Witterung der Vortage in ihrer Entwicklung etwas zurück sind und uns somit lediglich ein blühendes Exemplar auf einer Wiese auffällt. Auch die Terekwasserläufer scheinen schon den Heimweg angetreten zu haben.
Der Sonntag verläuft ähnlich abwechslungsreich.
Die vielen Gespräche und verteilten Flyer des Wochenendes werden sich in den folgenden Tagen deutlich auf die Zugriffstatistik des naturbeobachtung.wordpress.com Blogs auswirken, was die Anderen und mich bestärkt, im folgenden Jahr wieder den Weg auf uns zunehmen und an den Naturerelebnisstagen teilzunehmen.



%d Bloggern gefällt das: